Posts mit dem Label Trial werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trial werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 22. Mai 2020

Ja, es gibt mich noch!

Ja, es gibt mich noch. Auch wenn ich für einige Zeit den Anschein erweckte, irgendwo verloren gegangen zu sein. Aber um ehrlich zu sein, manchmal fühlte ich mich so…

Der Grund war einfach meine angeschlagene Gesundheit. Zunächst hatten alle Probleme nur eine Ursache, der klinische Trial war an allem Schuld. Das war eine schöne Lösung, weil man da mit dem Finger drauf zeigen könnte: du Schlingel, du bist die einzige neue Variable in dem Spiel und  musst demnach der Spielverderber sein. Schön, wenn's nur wahr gewesen wäre. Aber weil es halt so einfach war, habe ich mir jede mehr oder weniger sinnvolle Argumentation zu eigen gemacht, wenn sie zum  Trial-bashing beitragen konnte.

Bis wir eines Tages beschlossen, den Trial halt einfach Trial sein zu lassen und wieder mit der erprobten Medizin im Drei- oder Vier-Stunden Takt zu leben. Das ging aber überraschenderweise total in die Hose: gerade mal einen Tag lang habe ich es ausgehalten, bevor ich reumütig zu meiner Pumpe zurückgekehrt bin. Und das war auch gut so, denn für die Parkinson-Probleme ist das -trotz Handlings- und anderer Probleme - die beste Lösung.

Dummerweise ist damit aber meine gesamte Argumentationskette den Bach runter gegangen. Alle schönen Statistiken, die ich angefertigt habe, alle vergleichenden Spreadsheets, alle Notizen - alles für die Katz! Das einzig Sinnvolle daran war die Tatsache, dass ich auf diese Art und Weise Google-Sheets noch viel besser kennengelernt habe, als ich jemals in Excel gekommen war. Und das will schon was heißen…

Aber leider war dies nicht das Ende meiner Leidenszeit, sondern - es ist schon gut, dass man nicht in die Zukunft schauen kann - nur die Transformation zu einer neuen, anderen, richtig hässlichen Fehlfunktion.

Es begann mit Eiter im Mund. Schön, wenn man das 24/7 schlucken darf. Aber Mr Bruce, mein Zahnarzt, hatte den Verursacher schnell lokalisiert. Da war aus irgend einem Grund eine Höhle im Kieferknochen aufgetreten, wahrscheinlich wegen meiner unendlich plus ein Mal geflickten Beissern - egal obs die Reste der eigenen oder der Ersatzbeisser waren. Dort hatte sich die Infektion festgesetzt und mit ihrem Zerstörungswerk begonnen. Ja, das war es wirklich, obwohl es völlig irre klingt! Dieses 'Zeugs' hat alle meine Zähne ruiniert (dazu bedurfte es aber nicht allzu viel…). Alle Zahnfüllungen haben sich aufgelöst, einige schwer prothetische gezeichnete prachtvoll konstruierte Zähne haben einfach aufgegeben und sind partiell zerbrochen. Da haben sich Dramen abgespielt. Und eine Doppelladung Antibiotika hat keinen durchschlagenden Erfolg gebracht.

Es fällt mir richtig schwer, diese Situation zu beschreiben. Einerseits lebe ich bereits monatelang mit dem 'Zeugs', befürchte, dass Zahnschmelz nicht das Einzige sein wird, was daran glauben muss, muss aber andererseits eine Geschichte erzählen, deren Inhalt so weit hergeholt ist, dass nicht Mal ein Münchhausen eine derart abstruse Geschichte hätte erfinden können. Da mir niemand mehr glaubt, versuche ich den  Nachweis per Fotoevidenz zu erbringen. Das hatte ich mir auch sparen können, denn jetzt kommt zur potentiellen Geistesgestörtheit auch noch Besessenheit dazu. Und wenn ich ehrlich bin, ich würde niemandem eine derartige Geschichte abnehmen.

Aber immerhin war jetzt der entscheidende Augenblick schon fast gekommen. Ich habe in den letzten Monaten komplizierte Abhängigkeiten analysiert, Schlussfolgerungen gezogen und dabei nur einen einzigen, einfachen Schluss nicht bedacht: Monatelang habe ich davon gesprochen, dass das 'Zeugs' von überall her in den Mund kommt, dass ich die Nebenhöhlen ausdrücken könne - Genau, das ist es. Eine chronische Nebenhöhlenentzündung. Und die hat's in sich: Antibiotika helfen nicht! Die Behandlung kann sich noch Monate hinziehen; ein halbes Jahr kanns noch gut dauern (bis dahin habe ich hoffentlich neben meinem Geruchssinn auch den Geschmackssinn verloren). Wunderbare Aussichten!

Aber was soll's. Wie mich schon seit einiger Zeit sage: es hätte auch noch schlimmer kommen können. Aber nicht mehr viel schlimmer.

Schliesslich möchte ich das Thema doch positiv abschliessen: gewichtsmäßig bin ich jetzt in Erwins Bereichen angekommen...

Donnerstag, 26. März 2020

Ein doppelter U-Turn mit Powerslide

Mein Übergang, meine Zeitenwende: zwei Tage zum Vergessen.

Ein doppelter U-Turn mit Powerslide
Wir hatten schon seit einiger Zeit diskutiert, welche Rolle der Trial bei den zuletzt aufgetretenen Problemen gespielt hat. Es könnte sich alles nur um eine blosse Koinzidenz von Vorfällen handeln, sehr unwahscheinlich zwar, aber denkbar oder der Trial ist der Auslöser dieser Schwierigkeiten. Dazwischen liegen, bei der Komplexität der Situationen, viele Zwischenmöglichkeiten. Die Meinungen darüber waren bei Eleanor und mir zunächst diametral entgegengesetzt. Ich konnte mir keinen Grund denken, der den Trial als 'Alleinschuldigen' überführt hätte. Genauso wenig war aber die 'Unschuld' nachzuweisen. Dieses Patt hatte schon sehr lange, zu lange Bestand und als Anfang der Woche wieder massive Probleme auftauchten, wollte ich es endlich wissen: Würden nach Abschaltung der Pumpe die neuen Probleme verschwinden und würde mein Körper wieder wie vor dem Beginn des Trials 'funktionieren', dann ist der Schuldige eindeutig und ein für allemal gefunden.

Dienstag Morgen: Letztmalig wird die Pumpe abgeschaltet, die Kanüle herausgerissen (in der ganzen Zeit des Trials habe ich diese nur einmal so entfernen können, wie im Manual beschrieben - das erfordert einen zusätzlichen Abschnitt in meinem Abschlussbericht) und dabei eine neue 'Markierung' erzeugt, der letzte dunkelrote Fleck. Das war's also.

Esther und Tiffany mussten natürlich informiert werden, was einem fremdsprachigen Drahtseilakt gleich kam: Eine Formulierung zu finden, die die Endgültigkeit der Entscheidung klar machte, gleichzeitig aber keinen einzelnen Grund dafür nennen konnte. Keine Ahnung, ob's so rüberkam. Mit ABBVie mussten wir ja nicht verhandeln und Esther und Tiffany kennen die Situation genau.

Schön, alles erledigt. Und alles ist wieder gut. Mein Handy war wieder mein 'Zeit_für_die_Medizin' Kontrolleur geworden, meine mobilen Dopaminbehälter sind gefüllt. Rückstellung geglückt, da ich auch mitspielte und gut funktionierte.

Kurz nach Mittag lief ich aber unerwarteterweise ins OFF; eine zusätzliche Pille stellte das Dopamin-Gleichgewicht wieder her. Wie erwartet wurde ich müde, was das Praktizieren der sozialen Isolierung deutlich erleichterte: Isolation durch Schlaf. Danach wollten aber auch andere kleine Wehwehchen mitspielen und beim Lustspiel: 'Wie können wir den Werner ärgern' noch eine Rolle bekommen. Sehr frühzeitiges Zubettgehen verhinderte danach die Uraufführung.

Am Morgen ging's dann aber Schlag auf Schlag: mehrfach schmerzhafte Probleme auf der Toilette, Magenbeschwerden, Rückenprobleme, die höllische Schmerzen verursachen und mir die Beine 'wegziehen', Tremor und Schwindel, immer wieder Schwindel in seiner stärksten Form. Eleanor ist geschockt - das hatte sie nicht erwartet. Ich plädiere für eine weitere Tablette - nachdem ich die Entscheidung zur Beendigung des Trials so lange herausgezögert hatte, bis ich von dessen Nutzen überzeugt war wollte ich jetzt nicht schon jetzt, beim ersten Auftreten von Schwierigkeiten, die Flinte in's Korn schmeissen.

Aber schnell wird klar: einfach wird die Umgewöhnung nicht werden, sicher auch nicht schnell abgeschlossen und die 'neuen' Probleme können halt auch durch die Rückkehr zur oralen Medikation nicht ausgeschlossen werden.

Was bleibt: Sehr, sehr schnell wird ein Fläschchen mit der Medikation aus dem Kühlschrank geholt und auf Raumtemperatur gebracht. Das erlaubt mir eine Dusche, nach der ich mich wieder wie ein Mensch fühle, angezählt zwar aber nicht ko gegangen, reumütig wieder 'Geschirr' und Pumpe tragend.

Ein bisschen zögere ich das Gespräch mit Esther hinaus: auch wenn es triftige Gründe für die Entscheidungen der letzten Tage gab, es fällt nicht leicht einen doppelten U-Turn mit dazwischenliegenden Powerslide zu beichten. Ich hätte mir aber keine Gedanken machen müssen: Esther kennt uns genau, weiss, daß wir lange abgewägt haben und voll hinter den Entscheidungen stehen. Sie selbst ist seit dieser Woche auch in einem Ausnahmezustand und arbeitet im Stroke-Bereich von Ninewells, hatte diese Woche schon 48 Stunden Bereitschaft - am Stück. Das Lab ist geschlossen und ihre Mitarbeiter arbeiten irgendwo. Die nackte, unschöne, brutale Realität nach der Zeitenwende.

Der Tag 0

Transition: Von AD nach AC Heute ist Tag 1 der Coronaren Zeitrechnung: 00.01.AC Oder was wir gestern für heute schrieben: 17. Mä...