29 Mai 2011

Flügellos

Bis gestern habe ich mich als flügellahm bezeichnet - potentiell war ja immer noch ein Fluggerät im Keller. So gut wie neu, und wartete einfach darauf, wieder verwendet zu werden. Mein schöner roter Alpha 4 darbte da einfach vor sich hin.

Und immer noch hatte ich so ganz tief im Innersten die Hoffnung, daß es da doch noch eine Möglichkeit geben würde, daß Gleitschirmfliegen wieder drin sein müßte - der Traum, den ich viele Jahre lang hatte, und den ich mir schließlich erfüllt habe. Alle Versuche, das Equipment zu verkaufen, waren nicht erfolgreich gewesen - wodurch ich wohl in dieser inneren Meinung verharren konnte.

Sicher, das war reinstes Wunschdenken - aber das habe ich mir gegönnt. Bis ich dann ernstlich entschieden habe - der Schirm muß weg, noch bevor ich nach Schottland umziehe. Denn viel hätte ein Umzug des Equipments natürlich nicht gebracht - außer weiterer Lagerung, diesmal in der Garage, noch weniger Möglichkeiten zum Verkauf und noch größerem Frust ob des nicht nutzbaren Potentials.

Da ich ja mit Peter und seiner Gleitschirmschule Tegernsee extrem schlechte Erfahrungen gemacht habe, brauchte ich mich nicht mehr an ihn zu wenden; das Geschäftsgebaren ist derart unzumutbar, daß man nur dringendst abraten kann, mit ihm Geschäfte - auch Kurse - zu machen. Jetzt ist der Schirm seit gestern in einer anderen Schule und dient hoffentlich bald einem begeisterten Schüler als Hilfsmittel, den Himmel zu erstürmen.

Ich bin also nicht mehr flügellahm - sondern sogar flügellos. Und es fällt mir recht schwer, einen weiteren Traum ad acta zu legen. Ganz besonders, weil ich ihn so lange hatte, und er mir weggenommen  wurde, gerade als er anfing, Realität zu werden.

Weltuntergang 4 - Nachtrag

Tja - den hätte ich ja fast vergessen. Weil er nämlich ganz lokal in Schottland stattgefunden hat und ich darüber täglich nur per Telefon informiert worden war.

Sinnigerweise haben wir die Zeit für den Hausumbau auf eine typischerweise relativ sichere - d.h. unwetterfreie - Jahreszeit gelegt. Das spätere Frühjahr ist auch in Schottland normalerweise trocken und relativ warrm und weist keine exorbitanten Wetterunbilden auf. So war auch der Beginn des Umbaus in eine Phase wunderbaren Wetters gefallen - die Sonne schien von morgens bis abends, kein Wölkchen am Himmel. Etc. Solange, bis es dann richtig Ernst wurde.

Dann war nämlich der Austausch des Dachs geplant - runter mit dem alten, neuer Dachstuhl drauf, und - so schnell wie möglich - wieder zugemacht. Klar hatten wir auf weiteres Schönwetter gehofft - aber leider wurde diese Hoffnung nicht so ganz erfüllt. Pünktlich rückten sowohl eine Menge Bauarbeiter, ein Kran - und eine Schlechtwetterfront mit Orkanböen an. Trotz schnellstem Arbeiten konnte dadurch natürlich der Zeitplan nicht eingehalten werden. Das Dach mußte immer wieder notdürftig per Kunststoffplanen abgedichtet werden, die wiederum im Sturm ein nervenzerfetzendes Getöse anrichteten. Was nicht gerade zu gutem Schlaf bei Eleanor beitrug. Außerdem waren bei den Abrißarbeiten einige Löcher in die Decken geschlagen worden - ist halt einfach nicht zu vermeiden - was mich zum Kommentar verleitete, daß Eleanor ja immer schon gerne mal mit Sicht auf die Sterne schlafen wollte. Ist aber irgendwie nicht allzu gut angekommen.

Am letzten Sonntag war der Sturm dann  zu einem Orkan geworden, so daß Gefahr bestand, der ganze Dachstuhl könnte runtergeblasen werden. Durch dankenswerten Einsatz einiger Bauarbeiter am Sonntag Abend konnte das gerade noch vermieden werden.

Außerdem gab's nicht nur Regen und Sturm, sondern zudem fiese Kälte. Und - logischerweise - keine Heizung oder Warmwasser im Haus. Immerhin ist Eleanor jetzt abgehärtet, dank täglicher eiskalter Dusche und Schlafversuchen unter so vielen wie möglichen Zudecken. Ein bißchen hat wenigstens Poppy gewärmt, der auch so kalt war, daß sie gleich abends unter die unterste Decke schlüpfte und die ganze Nacht darunter verbrachte.

So ganz ist diese Phase immer noch nicht abgeschlosssen, aber wenigstens ist das Dach jetzt drauf, dicht und sturmsicher. Es scheint also, daß auch dieser Weltuntergang an uns vorbeigegangen ist.

27 Mai 2011

Apocalypse ... now

Na, eigentlich war ja der 21. Mai geplant. Diesmal. Mit Camping - da ist die Aussicht besser. Ein bißchen bibeln, dann mit den Ergebnissen noch etwas rumgoogeln, das Ganze dann verkorrelieren, gut schüttteln (nicht rühren!) und schon haben wir wieder mal ein Datum: 21.  Mai 2011, 18:00 (Ortszeit, nehme ich an). Was die Campingfreunde aber offensichtlich nicht kalkuliert haben: Der Termin fiel auf ein Wochenende. Und weil entweder die Abrißfirma keine Überstunden zahlen wollte oder die Arbeiter einfach das Wochenende frei haben wollten, sind wir wieder mal davon gekommen.

Wir - aber nicht Georgie.

Für ihn begann am 21. seine ganz persönliche Apokalypse. Was ich natürlich nicht ahnen konnte, als ich damit begann, wieder mal Bücher zu sortieren in solche, die ich unbedingt weiter behalten wollte und solche, die zur Büchersammlung des Lions-Club konnten. Aus Erfahrung weiß ich, daß da mehrere Entscheidungsrunden anzusetzen sind, weil bei mir Bücher die Tendenz haben, immer wichtiger zu werden, je näher deren natürliches Lagerende kommt. Früher habe ich das Sammelitis genannt; heute ist es immer noch so.

Die Welt möglicherweise stürzender Bücher
Für Georgie ist das ein völlig sinnloser Prozeß, der eindeutige Hinweise auf große Veränderungen birgt (s.o.). Also wird er alles tun, damit es nicht zu seiner Apokalypse kommt. Meist auf die Art: Wenn schon etwas im Busch ist, dann bleib ich auch im Busch (s.u.) und verhalte mich mal ausgesprochen ruhig. Sogar so ruhig, daß das geliebte walking-the-cat zu einem aufwendigen Überredungs-/-zeugungsprozeß wird. Wenn daheim schon die Bücherberge wachsen, dann muß ja wohl was passieren und da muß man dabei sein.

Irgendwann siegt aber dann doch meine Überredungskunst - resp. der Zug mit der angelegten Leine und anscheinend ist das Desaster in der Wohnung gleich vergessen, sobald es ins Freie geht. Urplötzlich schießt Georgie (richtig: er kann schnell sein, wenn er will) die Treppen hoch Richtung Straße und reißt mir den Griff der Leine aus der Hand. Das Schleifen des Griffs macht für ihn offenbar einen Höllenlärm - Beweis, daß das Unsägliches vor sich geht... und er rennt mit 5m Leine hinter sich den Schachen entlang auf den Parkplatz. Ich erwarte, daß sich das Catsuit mit angelegter Leine als Treibanker erweist und Georgie irgendwo im Zaun hängen bleibt. Ist aber nicht so und auf Rufe erfolgt auch keine Reaktion. Erst nach länglicher Suche entdecke ich den Griff irgendwo im Gebüsch, die Leine ist in ca. 2m Höhe um einen Stamm gewickelt und Georgie nicht im Suit. Irgendwie hat er sich rausgewühlt ... und sitzt zitternd unter einigen Zweigen, total verängstigt und paralysiert. Weltuntergang - schon wieder. Erst der angelegte Catsuit bringt ihn wieder auf die Beine und in schnellem Trab nach Hause. Immerhin ist hier nur Bücheruntergang.

Den ich gleich noch ein bißchen erweitern will und dabei übersehe, wie schnell doch aus einem sonnigen Tag Nacht werden kann. Mitten am Nachmittag. Und bevor ich noch genau merke, was passiert, donnert und hagelt es und es ist Krach ohne Ende.  Für Georgie der dritte Weltuntergang - an einem Tag. Eva steht pitschpatschnass an der Tür zusammen mit einem verängstigten Paul und da kommt Georgies überlegene Erfahrung in Weltuntergängen zum Tragen; Warum denn aufregen - geht doch auch wieder vorbei, wie alle anderen...

Was bleibt - zumindest kurzfristig: Eiskörnerübersäte Wege, aufwallende Nebel und Straßen, wie nach mehrfachen Fronleichnamsprozessionen überzogen mit grünen Blättern und Zweigen.

Und die Erfahrung: Weltuntergänge kommen und gehen.

nach Weltuntergang 3 heute