28 Januar 2011

Post-OP

Diesmal kommt der erste Post nach der Op ziemlich schnell: Grund - alles ist anscheinend vorzüglich gelaufen, ich fühle mich gut, auch direkt nach der Op, habe auch recht gut geschlafen und bin nahezu schmerzfrei.

Gestern wurde ich kurz nach 09:30 abgeholt, habe die übliche Standard-Sightseeing Tour durch Großhadern machen dürfen und bin dann in der schon bekannten Schleuse abgeliefert und in den OP Bereich gerollt worden. Erinnern kann ich mich dann noch an die Fahrt zum OP-Vorbereitungsraum und daß ich da drin gelegen bin - danach ist alles weg, bis ich auf meinem (!) Zimmer am späten Nachmittag wieder aufgewacht bin. Ohne Umweg über die Intensivstation, direkt nach 'Hause' und in ein Zimmer ohne Nachbarn.

Auch da ging es mir schon überraschend gut - ich habe einige Telefonate geführt, wenngleich ich heute morgen erst mal die Anrufliste durchblättern mußte, um zu wissen, wen ich denn wirklich schon an der Strippe hatte. Aber das kann ich mir schon verzeihen. Ein bisschen Amnesie darf schon sein. Die Nacht war dann nur einige Male kurz unterbrochen, weil mein Katheter schon abends gezogen werden mußte; der wollte nicht mehr richtig funktionieren. Und gegen 05:00 war ich dann für zwei Stunden wach, habe gelesen und dann noch kurz geschlafen.

Am Vormittag wurde mir dann noch die Drainage entfernt (ich hab mal vorsichtig kontrolliert, ob da auch Gehirnteile rausgeschwappt sind - anscheinend nicht, glaube ich mal); davor habe ich aber noch ein Dokumentationsbild machen lassen, das mich von oben mit Heiligenschein und Ausflußgerät zeigt:

Heiligenschein um meine neue Haarpracht - links im Gefäß mein 'überflüssiges Hirn'
Deutlich zu sehen, daß nicht viel Überflüssiges rausgekommen ist. Und damit ein Großteil des Hirns noch drinnen geblieben ist. Der Turban wurde mir dann gleich wieder angelegt und wird mich noch für weitere 2 Tage zieren. Am Sonntag soll er dann auch entfernt werden, wenn seine Druckfunktion nicht mehr gebraucht wird.

Mittags bekam ich dann noch Besuch von Erwin, der seine Runde Taufkirchen - Großhadern - Schön-Klinik in Angriff genommen hat. Aber Traudl soll ja am Mittwoch in die Reha entlassen werden, dann kann er seine Runde nach Bad Endorf erweitern....

Nachmittags bekam ich dann noch - für beide überraschend - Besuch von Jack, der sich eigentlich nur mal erkundigen wollte, wie es gelaufen sei, dann zu meinem Telefon durchgestellt wurde und sich dann gleich entschloß, herzukommen und meine neuen oder besser: wieder erlangten Fähigkeiten zu begutachten. Anscheinend war er damit hoch zufrieden - wie ich halt auch, diesmal.

Ansonsten gibt's nicht mehr viel Neues ... was ja gut ist.

Ciao und allen, die mir die Daumen gedrückt, Gutes gewünscht und mich in Gedanken begleitet haben - vielen Dank. Es hat gewirkt.

26 Januar 2011

Jetzt ...

... bin ich also wieder da - in Großhadern. All inclusive for 10 € per day. Eigentlich ein ganz passabler Preis...

Die Station G22B hat sich in I5 umgewandelt, heißt aber nach wie vor wie bisher (sonst wären die ganzen Abrechnungen wohl noch länger unterwegs), ist aber bei Würfel HI (jawohl, da wird man sogar begrüßt) im 5. Stock. Draußen steht Gynäkologie und Chemotherapie und beim Patientenzimmer Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Ich hoffe, die wissen, weshalb ich da bin und ordnen mich entsprechend ein.

Der Umzug in den 5. Stock hat noch andere Auswirkungen: es gibt KEINE Dusche im Zimmer, aber zwei für die gesamte Station. Keine Ahnung, wie lange ich da morgens anstehen werden muß. Mein Ausblick auf die Raucher im Eingangsbereich ist einem Überblick über die Kliniknachbarschaft gewichen, wobei ich bei dem Schneegestöber nicht so genau schauen kann, wohin ich sehe. Denke aber, das wird der Garten sein, den ich im Oktober zigmal umrundet habe. Da der Schrank nur für sehr schmale Personen konzipiert ist, hat er vorne und hinten jeweils eine Tür; werde wohl mein Notebook unter das Kopfkissen legen müssen.

Mein Zimmer 218 teile ich mit einem netten Ex-Lehrer (war da nicht schon mal was?) aus Nürnberg resp. Lichtenfels.Scheint ein netter Zeitgenosse zu sein.

Der Empfang war sehr herzlich - alle haben mich wiedererkannt (das kann man jetzt positiv oder negativ auffassen), trotz meiner neuen Haarpracht. Dann  wurde ich - wie erwartet - geCTt, geröntgt, geEKGt, entblutet, dennoch Blutdruckvermessen, informiert und aufgeklärt. Über die möglichen Komplikationen. Interessanterweise muß über das mögliche Versterben nicht gesprochen werden, weil der Bundesgerichtshof mal festgestellt hat, daß ein Patient das selber wissen muß, wenn er ins Krankenhaus geht. Tolle Logik: Kaputtmachen ohne Vorwarnung, Krankmachen dagegen nur mit.

Die OP selbst ist offenbar relativ einfach: Aufmachen (alte Narben verwenden und lösen), a bisserl am Knochen schleifen, wo es nötig ist, das Plastikteil einpassen, einsetzen und glattstreichen, 5 Minuten warten und aushärten lassen, nochmals nachschleifen, Nieten rein und wieder zunähen. Simple enough. So scheint's.

Und weil's so einfach ist, komme ich auch nicht gleich morgens dran, sondern erst an zweiter Stelle, also so gegen 10:00 oder 11:00.

Wie es weitergeht - resp. weiter gegangen sein wird - hoffentlich hier in Kürze.

Bis dann.

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Nochmals die Lokalisierungsdaten: Station I5, Zimmer 218
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24 Januar 2011

Déjà vu - oder - jetzt geht's wieder los...

Tja, langsam wird's wieder ernst: Großhadern ruft zur (hoffentlich) letzten Op. Am Mittwoch, 26.01.2011 geht's rein und am Donnerstag soll dann das Loch geschlossen werden (in der Terminologie von Dr. Riedel: das Cabrio wird geschlossen), damit's nicht weiter reinregnet - oder wie heute - reinschneien kann.

Laut aktuellem Auskunftsstand werde ich 7 - 10 Tage in der Klinik verbringen (müssen). Ich denke aber, daß es eher die 10 Tage sein werden, weil ja frühestens nach 7 Tagen die Fäden entfernt werden können, und so lange behalten sie mich definitiv drin. Das wäre dann grade vor dem übernächsten Wochenende.

Was wird gemacht?

An der offenen Stelle wird eine Palacos-Plastik eingesetzt, nachdem ja der Schädelknochen nach der Infektion nicht mehr brauchbar ist (und ich damit wohl stückchenweise entsorgt werde...). Ich bezeichne das immer als Plastilin für Chirurgen - die müssen ja auch was zum Spielen haben... Also - das Loch wird geschlossen und die geformte Platte mit Titanklammern am Schädelknochen befestigt. Dann wird alles wieder schön in die Kopfhaut eingepackt und vernäht. Klingt recht einfach, weil ja mein Hirn nicht direkt in Mitleidenschaft gezogen wird, ist dennoch aber eine recht anständige OP mit anschließendem Aufenthalt in der Intensivstation.

Wenn alles normal läuft, werde ich am Freitag irgendwann wieder in mein Zimmer verlegt, das diesmal wegen Umbauarbeiten jetzt auf Station I5 im 5. Stock zu finden ist.

Ab Anfang nächster Woche werde ich dann hoffentlich so weit sein, daß Besuche auch Sinn machen. Davor ist's wohl nicht sehr sinnvoll - wie ich ja von den letzten Malen her noch weiß.

Diesmal habe ich mich dazu entschlossen, ganz kahlköpfig reinzugehen - vielleicht halten damit jetzt die Verbände. Für den Fall, daß Ihr Probleme habt, mich zu erkennen, hier ein Bild:

Ist schon ein bißchen skinheadisch...

Ich werde versuchen, nach der Op mal kurz zu tweeten (wremmele) - sobald ich in der Lage dazu bin. Und wenn's wieder geht, dann gibt's die nächsten News wieder hier im Blog.

17 Januar 2011

Surprise – surprise …

Manchmal glaube ich, daß mich nichts mehr überraschen können sollte – werde dann aber doch von Zeit zu Zeit eines besseren belehrt.

neu.de - oder neuer Partner wider Wissen

Als ich kürzlich mal wieder eine der üblichen Überweisungen wegen meines Krankenhausaufenthalts (ja, da kommen immer noch stapelweise Rechnungen, obwohl der nächste Aufenthalt schon vor der Tür steht) durchführen wollte, fiel mir ein negativer Saldo bei einem Konto auf. Nicht berauschend, aber immerhin über 100 € war ich da ins Minus gerutscht. Kurz gecheckt: das ist das Konto des Himba Vereins – den wir ja zum 31.12.2010 aufgelöst hatten. Da hat wohl das Registergericht bei der Löschung zugeschlagen … dachte ich, und kontrollierte mal nicht weiter. Nach einiger Zeit kam’s mir aber dann doch: erst mal bucht das Registergericht nicht einfach so ab und zum anderen hatte ich ja genügend Geld auf dem Konto belassen, daß sämtliche im Zuge der Auflösung anfallenden Kosten abgedeckt sein müßten. Also – doch noch checken – und dann nur noch wundern: Da sind doch am 08.12.2010 zwei Positionen (Abbuchungen) von neu.de (einer Internet-Partnervermittlung) auf dem Konto eines gemeinnützigen Vereins platziert! In Summe um die 170 € wurden ohne mein Zutun abgebucht.

Logischerweise habe ich sofort mit neu.de Kontakt aufgenommen und angerufen – und das mehrfach und in Summe mehr als eine halbe Stunde. Aber nur mit einer toten Leitung, wobei mir versichert worden war, daß auch bei einer tot(en) scheinenden Leitung sich irgendwann mal jemand melden würde. War aber nicht, obwohl ich schließlich den Lautsprecher einschaltete und wartete, und wartete, und …

Klärung also mit neu.de nicht möglich. Alternative: Rückbuchung durch meine Bank. Andreas, mein Bankberater machte sich auch gleich dran und versicherte mir, daß das Geld in Kürze wieder auf dem Vereinskonto sein würde.

Was es dann auch war – nach weiteren zwei Tagen (thx Andreas). Neu.de hat sich in der Zwischenzeit nicht gemeldet – warum auch. Und wie ist das wohl passiert? Denkbar ist natürlich (unter der Annahme, daß neu.de seriös arbeitet), daß meine Identität von der Website des Himba-Vereins geklaut und verwendet wurde. Ich muß ja namentlich in Erscheinung treten und auch die Angabe der Bankverbindung ist ziemlich hilfreich, wenn man Spenden sammelt… Mal schauen, ob das so war oder es noch einen anderen Grund für den Vorfall gibt. Ansonsten fällt mir keine gute Begründung ein, die ich dem Finanzamt bei der Steuererklärung vorlegen könnte – außer daß das VW Management ja auch ‚Damen’services abgerechnet hat. Aber auf dieses Niveau möchte ich mich doch nicht begeben...

Daneben sind mir in den vergangenen Monaten noch so einige Dinge passiert, die interessantes Geschäftsgebaren verdeutlichen. Einige davon möchte ich noch schildern:

Paragliding Tegernsee - oder Bezahlung ohne Leistung

Da nach meinen Erkrankungen klar war, daß ich das Gleitschirmfliegen aufgeben werden müsse, rief ich also Peter, den Chef von Paragliding Tegernsee an, um mit ihm die Situation zu besprechen. Ich hatte den Grundkurs absolviert, war dann wegen der Knie-OP flugunfähig und erhielt schließlich die Diagnose Parkinson. Keine Chance also, den bereits bezahlten Höhenkurs anzutreten; außerdem hatte ich die gesamte Ausrüstung bei ihm gekauft und war damit nur einmal geflogen – also im Prinzip alles neu. Das Gespräch kann man dann auf einen Satz reduzieren, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: ‚Da kann ich auch nichts machen, das Geld ist schon ausgegeben und damit kann ich Dir auch nichts mehr zurückerstatten.‘

Diese Aussage machte Peter mehrfach, um seine Meinung nachdrücklich zu verdeutlichen. Zudem machte er sofort klar, daß die neue Ausrüstung nicht zurückgenommen werden würde oder auf Kommissionsbasis verkauft werden würde. Ich war durch die Krankheit als Kunde für ihn gestorben (kein weiteres Geschäft mehr möglich) und damit nicht mehr relevant. Lediglich ein Umschreiben des Kurses auf einen von mir zu werbenden neuen Kunden würde er zulassen. Was dann in einer email noch weiter reduziert wurde: ‚Wir können es natürlich nicht zulassen, daß eine andere Person hier mit Deiner Ausrüstung auftaucht und den Kurs macht. Dann würden wir ja nichts mehr daran verdienen.‘ Woww, lieber Peter: Du hast mit mir einen Umsatz von über 5.000 € gemacht und findest es nicht der Mühe wert, über die Lösung eines Problems nachzudenken! Tolles Geschäftsverständnis, das kann ich Dir wirklich attestieren.

Aber auch bei eigentlich einfachen Vorgängen wird man manchmal überrascht - und abgezockt:

Debitel - oder ein bekannter Fehler zur Umsatzerhöhung

Viola benötigte für die Zeit Ihrer Besuche in Deutschland eine neue SIM Karte von Debitel, ihrem deutschen Provider, und ließ diese an mich senden – weil sie ja in Dubai nicht gerade viel damit anfangen kann. Ich bekam also die Karte und wollte sie gleich aktivieren. Laut beiliegendem Schreiben ruft man dazu eine Nummer an (für einige zig-Cent pro Minute); also ruf ich an, wühle mich durch das Menu und erhalte die Ansage: ‚Geben Sie bitte ihre Telefonnummer ein‘. Kein Problem – Nummer eingeben und: ‚ Geben Sie bitte ihre Telefonnummer ein‘. Nach einigen Versuchen breche ich ab, wähle neu und komme in die gleiche Schleife. Das Gleiche dann am nächsten und übernächsten Tag nochmals. Dann – schon ziemlich genervt – öffne ich den versiegelten Umschlag und stelle fest, daß es noch eine (logischerweise) wirklich teure Hotline gibt. Die rufe ich also an und werde auch zu einem Mitarbeiter durchgestellt. Meine Schilderung des Vorgangs läßt ihn kalt: ‚Ja, der Fehler ist uns bekannt‘. Und … führt zu zusätzlichen ungerechtfertigen Einnahmen! ZU Deutsch: Abzocke! Weil es die Kunden ja typischerweise mehrfach versuchen und den Fehler erst mal bei sich suchen. Und dann schließlich die sündhaft teure Hotline anrufen.

Aber es geht auch anders:
Stefan Herrmann - ein Musterbeispiel an Seriosität

Viola und Michael hatten mir zum Geburtstag einen Gutschein für ein MTB-Training geschenkt. Das sollte im April 2010 stattfinden, am schönen Lago di Garda. Ich hatte mich lange darauf gefreut, aber dann kam die Knie-OP. Also rief ich Stefan Herrmann, einen ehemaligen Weltmeister im MTB und Veranstalter des Camps an und schilderte die Lage. Kein Problem – das Geld kann für jeden weiteren bei ihm gebuchten Kurs oder jedes beliebige Camp verwendet werden. Nach den weiteren Diagnosen war dann klar, daß ein derartiges Camp für mich nicht (nie) mehr in Frage kommen würde. Also informierte ich Stefan und hoffte auf eine irgendwie geartete Einigung. Doch wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: ‚Ich wünsch Dir alles Gute für die Zukunft und das Geld überweise ich Dir sofort zurück.‘ Noch nicht mal eine Bearbeitungsgebühr hat Stefan verlangt. Das war – vor allem nach der negativen Erfahrung mit Peter Rummel, den ich ja eigentlich gut kennengelernt hatte – eine unglaublich positive Überraschung und der Beweis, daß man ein gutgehendes Geschäft auch seriös führen kann … oder vielleicht funktioniert es gerade deshalb so gut.