Heute ist der Tag der Trennung von Werner und Hirni. Waehrend Hirni die naechsten Tage noch in der Pathologie verbringen wird, ist Werner (allein mit seinem Hirnkasterl) in einem anderen Teil der Klinik.
Kurz gesagt, die OP war erfolgreich und Hirni wurde komplett entfernt. Hoffen wir jetzt also auf die baldige Linderung der von Hirni hinterlassenen Kopfschmerzen...
28 September 2010
27 September 2010
Was passiert denn jetzt
Jetzt – das sind die Stunden vor der Op. Heute wurde nochmals detailliert erklärt, was denn morgen alles stattfinden wird.
Da war zunächst der erste Neurochirurg, der allgemein über die Op berichtet. Eva’s Vorschlag, mein ganzes Haupthaar abzuschneiden (klingt dramatisch, ist es aber viel weniger, wenn man die noch vorhandene Menge davon sieht) wird stante pede abgelehnt: nicht nötig! Es wird ja 'nur' ein vertikaler Schnitt durchgeführt, von oben und hinter dem Ohr vorbei und entlang dieses kleinen (?) Schnittes wird dann rasiert. Das muß dann Barbara nächste Woche wieder ins ‚Lot‘ (oder wohin auch immer bringen) und am verbliebenen Rest a bisserl rumschnippeln, damit’s nicht allzu gravottisch aussieht.
Dann wird die Kopfhaut ein bisserl (wie das?) weggedrückt und ein ca. 5cm Durchmesser großes Loch ins Hirnkastl gemacht. Technik: Vorbohren und dann mit Stichsäge verbinden. Die Löcher natürlich. Das Knochenstück selbst wird nach der Prozedur wieder eingepaßt und mit Titanklammern befestigt. Für’s Flughafensicherheitspersonal bekomme ich einen Ausweis…
Hirni selbst wird dann – hoffentlich – am Stück rausgenommen, nicht in Stücken, Scheiben oder sonstigen Teilchen. Dazu brauche ich die netten Markers am Kopf (siehe vorigen Beitrag von Hirni), die auch im MR noch zu sehen sind und später infrarötisch bei der OP leuchten (oder was auch immer). Leider muß ich die auch schon heute tragen – was für manche (wie Viola sagt) etwas frankensteinisch wirken mag, und darf sie auch in der Nacht nicht abnehmen. Immerhin folgen mir beim Spaziergang mehr Augen, als mir normalerweise bei meiner Schönheit zustehen würden.
Zwischenzeitlich füllen Viola und ich dann alle notwendigen Formulare aus (wobei sie gleich wieder ein paar logische Fehler feststellen kann), auch wenn viele Infos einfach redundant sind. Ich verkneife mir aber, Widersprüche zu formulieren. Außerdem würde ich mir das auch nicht trauen, weil ja Viola schreibt, dank meiner parkinsonschen Schreibschwäche, und die viel seriöser ist als ich.
Dann werde ich wieder mal innen fotografiert – Ergebnis: Hirni ist noch da, ungefähr gleich groß, wie vor 3 Monaten und muß raus. Aber das wußten wir ja schon.
Nett ist dann das Gespräch mit dem Anästhesisten. Da werden morgen mehr Schläuche in mich reingesteckt, als ich Öffnungen habe. Deshalb müssen zusätzlich Löcher reingestochen werden. Es gibt da also:
- Den Schlauch für die Anästhesie – liegt an der Nadel der linken Hand.
- Den Schlauch für die Messung des Blutdrucks und Pulses (in einer Ader des rechten Unterarms) – wird deswegen intern gemessen, weil ja im Notfall schnell reagiert werden muß.
- Den Beatmungsschlauch in die Luftröhre.
- Einen Schlauch zur Injektion von Medikamenten oder im Notfall auch Bluttransfusionen in den Hals (damit’s dann im Zweifelsfall ruck zuck Richtung Aorta geht).
- Und - last but not least – einen ‚Erleichterungsschlauch‘. Den finde ich bei meiner Blase ganz, ganz wichtig.
Da werde ich also doch ganz schön geschlaucht. Werden.
Jetzt, am Abend, habe ich auch schon die erste Thrombose-Spritze, die Thrombose-Strümpfe (sehr sexy) angepaßt und das Engelshemdchen (!? - noch mehr sexy) ans Bett bekommen. Muß es aber erst morgen anziehen. Schlafen werde ich mit einer Schlaftablette, die ‚vorbetäubt‘, damit ich morgen früh ganz entspannt sein werde.
Denn dann geht’s los: 07:30 ist Schluß mit lustig für Hirni.
Und ich melde mich dann später wieder. Ohne Hirni - ganz allein in und aus meinem Hirnkastl.
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Hilfe – jetzt wird’s ernst…
… jetzt bin ich doch endgültig eingekreist worden. Die (nicht GPS) Marker sind gesetzt, ich bin durch Infrarot lokalisierbar und ich kann dem Skalpell (oder was auch immer eingesetzt werden wird) nicht mehr entkommen. Wahrscheinlich zumindest … aber das wahrscheinlich ist ein Nein.
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| da drin wohne ich - und ziehe morgen gewzungenermaßen aus Hirni - zum letzten mal |
Ich hab mich so viele Jahre in Werner’s Kopf aufgehalten und eigentlich kaum was angestellt, daß es schon etwas traurig ist, wenn ich jetzt morgen mit derart martialischen Methoden entfernt werde. Immerhin – ein paar Tage Gnadenfrist hat’s ja noch gegeben.
Das wird also mein – Hirni – letzter Beitrag im Blog bleiben. Den Rest wird dann Werner wieder übernehmen müssen.
Er wird so schnell wie möglich nach der OP weiterbloggen, vielleicht – wenn’s irgendwie machbar ist – auch tweeten (schaut mal beim twitter account wremmele rein) und zudem weiß Viola ab morgen nach der OP, wie es um ihn steht.
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25 September 2010
Voreilig
Kaum nähert sich der Termin, an dem Hirni entfernt wird, werden anscheinend alle um mich herum nervös.
Um es nochmals klarzustellen: Ich werde das Zeitliche nicht segnen und nach der OP auch wieder aufwachen! Auch wenn allgemein die Meinung vorherrscht, daß ‚man‘ mich noch mal sehen / mit mir sprechen / etwas von mir haben / … möchte, bevor – naja, das sagte ich ja schon bereits. Ich habe sogar gestern noch Lotto gespielt (und hoffe, den Gewinn bald genießen zu können) – wenn das nicht ein Indiz für meine positive Einstellung ist…
Da kann mich auch eine etwas übereilter telefonischer Nachruf auf dem AB nicht mehr aus der Ruhe bringen: ‚Für den Fall, daß Du nicht mehr aufwachst, möchte ich Dir nur mitteilen, daß Du mir immer wichtig warst.‘
Also – Leute: Verabschiedet Euch nicht voreilig von mir. Verabschiedet wird nur Hirni. Ich bleib Euch noch auf Dauer erhalten!
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14 September 2010
Warum sich Gedanken machen ...
... wenn doch alles so einfach ist.
Laut Spiegel dieser Woche gibt es schon seit 4 Jahrtausenden Gehirnoperationen. Zugegeben, nicht gerade in der Gegend, in der Großhadern liegt. Aber immerhin in relativer Nähe - an der Schwarzmeerküste. Zudem habe ich von Viola und Michael Angebot, einen Leidensgenossen zu besuchen - resp. dessen schädelige Überreste: 'So einen operierten Schädel mit Loch, der (samt Körper dran) noch ein paar Jahre gelebt hat, kann man hier im archäologischen Museum in Sharjah besichtigen! Ja, die hatten halt noch nicht so tolle Fäden, aber sonst scheint die Sache ja wirklich recht einfach zu sein...'
Also: ganz einfach. Und richtig positiv ist es, daß die Schädeldurchlöcherten ihre Op anscheinend überlebt haben ... was ich auch für mich hoffe. Und wenn die (in Großhadern) mich dann überhaupt noch mit den tollen Fäden so richtig zusammennähen - dann beginnt ab dem 29.09. wieder high life!
Laut Spiegel dieser Woche gibt es schon seit 4 Jahrtausenden Gehirnoperationen. Zugegeben, nicht gerade in der Gegend, in der Großhadern liegt. Aber immerhin in relativer Nähe - an der Schwarzmeerküste. Zudem habe ich von Viola und Michael Angebot, einen Leidensgenossen zu besuchen - resp. dessen schädelige Überreste: 'So einen operierten Schädel mit Loch, der (samt Körper dran) noch ein paar Jahre gelebt hat, kann man hier im archäologischen Museum in Sharjah besichtigen! Ja, die hatten halt noch nicht so tolle Fäden, aber sonst scheint die Sache ja wirklich recht einfach zu sein...'
Also: ganz einfach. Und richtig positiv ist es, daß die Schädeldurchlöcherten ihre Op anscheinend überlebt haben ... was ich auch für mich hoffe. Und wenn die (in Großhadern) mich dann überhaupt noch mit den tollen Fäden so richtig zusammennähen - dann beginnt ab dem 29.09. wieder high life!
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| Spiegel 37/2010 - Rubrik Wissenschaft |
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13 September 2010
In der Luft fahren …
Geburtstage kommen ziemlich regelmäßig, vergehen wieder und verschwinden in der Versenkung. Leider kann das mit den einhergehenden Geschenken auch passieren: da werden Gutscheine erst euphorisch angenommen, dann nicht gleich eingelöst und fristen schließlich ein unangebracht tristes Leben unter anderem Papier. Und geraten sukzessive ins Vergessen.
So geschehen mit meinem Gutschein für eine Ballonfahrt – von Erwin & Co zum vorletzten (!) Geburtstag überreicht. Da ging’s dann nicht gleich und dann war Sommer und das Licht zum Fotografieren sicher nicht gut und dann … ja dann war es heuer und der Gedanke an die Ballonfahrt schlummerte irgendwo hinter Hirni in meinem Hirn. Irgendwann kam Erwin dann mit der Frage, was denn damit passiert sei – und löste hektisches Suchen zuhause aus. Der Gutschein war weg. Aber wurde dann nach einigen Wochen dank meiner ‚guten Ordnung‘ doch noch da gefunden, wo er eigentlich zu sein hatte. Aber da sucht man ja zuletzt.
Also da war er nun – mit einem ‚use by date‘. Davor war aber noch die Op angesagt, eine Zeit danach, in der ich sicher nur psychisch in die Luft gehen würde und dann ist Winter und irgendwann das UBD überschritten. Also schnell die Jungs (Mädels) von Blue Planet angerufen und einen Termin vereinbart. Wetter.com zeigte eine gute Vorhersage und diesmal ist sie auch wirklich eingetreten: Die beiden letzten Tage waren ja ein Traumwochenende – Sommer-Feeling fast am Herbstanfang.
Treffpunkt war ein Parkplatz in St. Heinrich bei Seeshaupt – nicht zu verfehlen (da werde ich normalerweise gleich hellhörig - nur diesmal nicht): ‚ist da, gleich wenn Sie in den Ort reinkommen.‘ Am Campingplatz Fischer. Ist auch nicht zu verfehlen – genau an der Kreuzung in der Mitte des Ortes. Beim Fischerwirt. An der Kirche. Aber – verflixt – wo ist denn der Campingplatz? Wo sind die anderen? Da ich etwas sehr frühzeitig da bin, beschließe ich, mich durchzufragen: Passanten wissen nix; die erste Kellnerin beim Fischer auch nix, die zweite ist unfreundlich und weiß auch nix. Immerhin seien da Campingplätze in ‚der do‘ Richtung. ‚Der do‘ ist am Seeufer entlang Richtung Norden. Da ist aber nach einigen hundert Metern der Ort zu Ende und nach weiteren 3 km immer noch kein Campingplatz 'do'. Also retour und Richtung Seeshaupt. Dort ist am Ortseingang ein Campingplatz und die Chefin erklärt mir, daß ich genau den Parkplatz brauche, von dem ich ausgegangen bin. Also – wieder umkehren – aber da ist immer noch niemand.
Die zwischenzeitlichen Telefonate mit der Ballooning-Company enden auf Anrufbeantwortern, Rückrufe von irgendeinem Handy auf meinem ohne Nachricht. Irgendwann kommen wir dann doch mobiltechnisch zusammen. Die Dame erläutert mir, daß sie sich auch nicht auskenne (aber - wohlgemerkt - nicht zu verfehlen), momentan bei ihren Eltern in München sei und sie jetzt den Ballonautofahrer (!) informieren würde, wo ich denn abzuholen sei.
Das funktioniert auch, aber der Ballonfahrer (nicht Ballonautofahrer – der sitzt daneben) ist offenbar ziemlich sauer auf mich.
Dann beginnt das Höhenerlebnis ganz profan mit der Suche nach einem Startplatz und nach kurzer Kurverei finden wir eine geeignete Wiese zwischen St. Heinrich und Seeshaupt und da geht’s dann los.
Erst mal mit der Einführung – die todos und nottodos werden erläutert und dann werden wir gleich recht rumkommandiert. Meine Kameraausrüstung erregt das Mißfallen des Ballonführers, weil ich sie nicht beliebig rumliegen lassen will: Zu teuer dafür. Seine Gedanken: '...!'
Die Startprozedur ist richtig schnell erledigt – wahrscheinlich genauso schnell, wie ein Gleitschirmstart (wenngleich das wahrscheinlich nur für meine Starts gilt – die ich ja leider nicht mehr verbessern können werde). Im Vergleich zu meinem ersten Ballonerlebnis in Napa Valley dauert auch das Aufblasen nur sehr kurz. Ruckzuck steht der Ballon – einsteigen und los geht’s.
| kurz nach dem Start |
Schließlich entscheidet sich der Abendwind, uns doch noch in eine Richtung zu bewegen – Königsdorf ist jetzt das Ziel. Wir gleiten etwa in 1000m Höhe über Grund über die Autobahn, haben den Herzogstand und Heimgarten im rechten Hintergrund und sehen ganz vorne den Wendelstein.
| Horizontale Wolkenbarriere |
| Kurz vor der Landung |
Dann sind wir langsam am Ende der Tour – 1 ½ Stunden in der Luft gefahren. Über einem einzelnen Gehöft gehen wir runter, erschrecken noch einige Kühe (die wir mit Rufen beruhigen können), steigen nochmal kurz hoch und landen dann neben einer kleinen Straße. Mittelsanft.
Es ist ein unglaublicher Abend: Die Sonne geht langsam hinter einigen dunklen Wolken unter – ein Farbenspiel in Oberfischbach. Schnell wird der Ballon eingepackt und alles wieder auf den Hänger gewuchtet.
Dann – als ‚krönender‘ Abschluß – die übliche Taufe resp. die Erhebung in den Ballonfahreradelsstand. Eine Prozedur, die ich halt so über mich ergehen lassen muß, weil’s offenbar der Brauch ist. Viel lieber hätte ich mich ins Gras gesetzt und die untergehende Sonne noch eine Weile beobachtet. So werde ich also befeuert (einige Prozent meiner letzten Haare angesengt) und getauft (die angekokelten Haare mit Sekt gelöscht). Immerhin erhalte ich eine Urkunde, in der mir – allen Ernstes – ein Adelsname verliehen wird: ‚Baron Werner, sanft der Abendsonne entgegenschwebender Höhenerzwinger von und zu St. Heinrich‘. Und wahrscheinlich hat es nur zum Baron gereicht, weil ich nicht am Treffpunkt war. Sonst wär's sicher ein Prinz oder mindestens ein Graf geworden
Jedenfalls war die Fahrt ein sehr schönes Erlebnis, über einer unglaublich schönen Landschaft und bei bestem Wetter.
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10 September 2010
Ätsch ...
... ich (Hirni) darf noch ein paar Tage länger bleiben. Weil der Professor ins Ausland reist, kann er mich am 24.09. nicht rausoperieren. Deshalb darf ich noch über's Wochenende bleiben und Werner ist erst ab 28. September wieder ganz allein (im Kopf, natürlich). Da will dann der Prof. wirklich eingreifen - im wahrsten Sinn des Wortes. Nämlich in Werner's Kopf.
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05 September 2010
Was doch so alles passieren kann …
... im Verlauf von 135 Meilen. Oder davor. Oder danach (da weiß ich aber noch nix…).
| winner and runner up at 2244m on Karwendelspitze |
Das große Ziel war eine goodwater Kopie des badwater runs – also 135 Meilen, nicht am schlechten Wasser und in der Hitze von Death Valley, sondern entlang der blauen Isar, bei unserem angenehmen Klima und der schönen Landschaft (die die Athleten wohl während des Rennens kaum bewundern würden – sofern nicht … aber dazu später).
Also – Uli war überzeugt, daß wir das in good old Bavaria mindestens genauso gut hinbekommen würden, wie die Amis. Werbung war genügend gemacht – aber leider liegt wohl Niederaichbach, der Startort, (noch) nicht am Nabel der Ultramarathon-Welt. Weswegen statt der geplanten 50+ Athleten sich nur 11 anmeldeten.
Und dann nur 5 wirklich antraten. Überschaubar. Weniger Athleten als Helfer. Aber dennoch nicht weniger schwierig zu laufen, als wenn’s 50 geworden wären. Was ich dabei wollte? Erwin – der ja für alles was auch nur entfernt mit Laufen zu tun hat, ein offenes Ohr und helfende Hände (oder was auch immer) hat – informierte mich, daß Uli noch gerne jemand dabei hätte, der zwischenzeitlich mal nach Englisch übersetzen würde; was ich dann auch tat. Mehr oder weniger (wie er am Ende anmerkte, denn manchmal habe ich seine Worte ein bißchen ausgeschmückt).
Also trafen wir uns alle in Niederaichbach, gingen nochmals die Regeln durch, wurden durch Bürgermeister und Gemeinde – ein Danke dem Sponsoring – würdig empfangen und schickten am nächsten Morgen die Athleten auf die Reise.
An der Strecke gab’s genügend Service-Points, an denen die Assistenten der Läufer ihre Athleten aufpäppeln, mit Drinks versorgen oder (wenn eine nette Dame hinter einem schnellen Herren stand) auch mal mit einem Kuß wieder den Adrenalinspiegel auf Vordermann bringen konnte.
Wenn denn der Service auch wirklich geboten wurde. Da murphyte es ganz schön rum: Die Amerikaner hatten mit Christoph einen deutschen Fahrer im Leihwagen angeheuert, der dann bald nach dem Start irgendwo ordnungsgemäß links abbog, was aber den Gegenverkehr nicht interessierte - auch wenn da die Ampel auf Rot stand. Ergebnis: Auto kaputt. Ersatzfahrer für den Rest des Tages suchen und einen neuen Leihwagen organisieren. Alles machbar. Alles gemacht. Alles wieder OK.
Wenn denn der Service auch wirklich geboten wurde. Da murphyte es ganz schön rum: Die Amerikaner hatten mit Christoph einen deutschen Fahrer im Leihwagen angeheuert, der dann bald nach dem Start irgendwo ordnungsgemäß links abbog, was aber den Gegenverkehr nicht interessierte - auch wenn da die Ampel auf Rot stand. Ergebnis: Auto kaputt. Ersatzfahrer für den Rest des Tages suchen und einen neuen Leihwagen organisieren. Alles machbar. Alles gemacht. Alles wieder OK.
Dann erwies sich aber das goodwater running als nicht so ganz zutreffend. Zwar hatte Uli dafür gesorgt, daß der Regen am Starttag pünktlich eingestellt wurde, aber die Isar zeigte sich von der braunen – also colorwater - Seite und trat auch noch in Grünwald so über die Ufer, daß die Strecke unpassierbar war. Reinhard fand zwar eine neue Route, die aber der österreichische Teilnehmer nicht mehr laufen konnte, da er sich schon zuvor verletzt hatte. Da waren’s nur noch vier.
Danach wurde es dann zum ersten Mal Nacht. Und Uli hatte ja vorgesorgt und mehr als 2.000 Richtungspfeile an diversesten Stellen angebracht und einige Eimer gelber Farbe verstrichen: Verlaufen unmöglich. Denkste.
Da fehlte doch dann mitten in der Nacht unser Italiener. Hoffentlich haben ihn nicht die Wolpertinger gefressen! Riesenaufregung beim Organisator, den Helfern und dem italienischen Team (samt Freundin). Kaum vergehen dann 4 Suchstunden kommt schon ein Anruf der Polizei aus Rosenheim (wieso von dort weiß bis heute niemand) an Uli: ‚Vermissen Sie einen Läufer?‘ Ja, sicher! ‚Der ist in einer Telefonzelle abzuholen…‘. Laut Beschreibung der Polizei ist die Telefonzelle dann rasch gefunden – sie liegt 13 km abseits der Strecke – und Roberto geht (?) wieder ins Rennen. Mit einem Umweg und 5 Stunden Verspätung. Offenbar haben ihn die 217 km nicht wirklich voll gefordert; er wollte wohl noch etwas weiter laufen…
Was man von Alex, dem Briten, nicht behaupten kann. Er ist sowieso ein Wunder, denn er leidet unter Parkinson und will in den nächsten Jahren 10.000.000 Meter (i.W. zehn Millionen) laufen, um Spenden für die Parkinsonforschung zu ‚erlaufen‘. In Anbetracht seiner Erkrankung – und ich kann da ja mittlerweile leider mitreden – ist das unglaublich. Und seine Leistung beim Europe135 entsprechend herausragend. Klar, daß er es nicht mit den Schnellsten aufnehmen kann und schließlich in Mittenwald am Fuße des Karwendel das Rennen zu Ende gehen läßt. Die letzten 6,9 km mit 1.360 Höhenmetern kommen für ihn nicht mehr in Frage. Womit er aber immerhin 211 km auf dem Weg zum erklärten Ziel abhaken kann. Wir alle stimmen dafür, ihm den Preis für den ‚Sieger der Herzen‘ zu überreichen.
| winner and 'team' |
Zwischenzeitlich hat unser Amerikaner alle anderen hinter sich gelassen und ist auch noch den Karwendel in atemberaubendem Tempo gelaufen. Er wird somit eindeutiger Sieger in weniger als 28 Stunden. Einfach phantastisch – auch wenn man in Betracht zieht, daß es heuer für ihn schon der vierte Ultramarathon ist. Und alle – einschließlich Badwater – hat er beendet.
In der Nacht danach bahnt sich dann noch ein dramatisches Finale an: Roberto kommt als Zweiter – trotz seines etwas absonderlichen Umwegs – am dritten Checkpoint an und Erwin führt ihn ('guided'), da die Nacht einbricht, nach oben. Kurz danach erreicht auch der Franzose den Checkpoint und ist wild entschlossen, Roberto noch zu überholen. Und er kommt auch in ‚Schlagdistanz‘. Danach geht’s gemeinsam weiter, bis Roberto noch den Turbo zündet und sich absetzen kann. Er wird also Zweiter.
| after up and down finally up and finishing 3rd |
Aber was ist mit dem Franzosen? Der sucht verzweifelt nach einem Eingang in den Tunnel zur Bergstation, kann ihn aber nicht finden. Was ihm bleibt, ist der Abstieg bis zur Dammkarhütte, wo schon ein Suchtrupp aufbrechen wollte (war da nicht schon mal so etwas?). Dort übernachtet er und macht sich morgens um 7 Uhr zusammen mit seinem Sohn auf zum Ziel. Das er jetzt auch erreicht – aber halt 8 Stunden später als kalkuliert. Und stocksauer ist er! Auch wenn sich an der Platzierung nichts geändert hätte – er wäre halt auch unter 40 Stunden geblieben, wenn, ja wenn er den Tunnel gefunden hätte.
Am Nachmittag ist das zwar immer noch sein Gesprächsthema Nummer 1 – aber insgesamt überwiegt bei Athleten und Veranstalter, bei Helfern und Sponsoren die Freude, daß irgendwie alles doch geklappt hat. Und zinftig klingt nach der Siegerehrung der erste 135 Meilen Lauf entlang der Isar bei Schweinsbraten aus – ein bayerisches Kulturgut zu guter Letzt.
| hinter schnellen männern steht immer ... eine starke frau: winning teams |
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04 September 2010
Laufen für Parkinson
| Alex Flynn nach Ankunft in Mittenwald |
Alex ist 38 Jahre alt, Vater zweier Söhne, spielt und singt in Bands, fährt Motorrad, läuft die extremsten Ultramarathons der Welt …
… und Alex hat Parkinson.
Parkinson, die Krankheit, die dem Patienten seine Bewegungsfähigkeit raubt, ihn irgendwann im eigenen Körper inhaftiert und ihm damit die schönen Dinge nimmt, die die meisten für selbstverständlich halten.
Seit zwei Jahren kämpft Alex gegen die Krankheit, hat sich neue Ziele gesetzt und strebt vor allem eines an: 10.000.000 Meter im Kampf gegen Parkinson zu laufen und dabei 1.000.000 £ an Spenden für Forschung zu ‚erlaufen‘.
Schon für einen vollständig gesunden, top-fitten Athleten wäre das ein ultra hohes Ziel, weil ja die Trainings-Meter nicht zählen, sondern nur die gelaufenen Veranstaltungsmeter. Deshalb wird Alex versuchen, so ziemlich jeden Ultramarathon und jeden Abenteuerlauf der Welt zu absolvieren.
Hier in Bayern hat er den Europe135 in Angriff genommen, einen neuen Wettbewerb, der ähnlich wie der berühmte Badwater Marathon 135 Meilen lang ist und dessen Ziel auf einem Berg liegt. Nur daß die Route hier nicht durch das Death Valley führt, sondern von Niederaichbach entlang der Isar bis zum Karwendel. Dort in 2244m Höhe befindet sich das Ziel – nach 217 Kilometern non stop!
Alex hat die Strecke nahezu vollständig geschafft; nur den letzten Anstieg konnte er nicht mehr anpacken – er hatte das Zeitlimit erreicht und der Aufstieg wäre unter den schwierigen Umständen mit weichem Schnee zu gefährlich gewesen. Er hat sich über 211 km gequält, mit unglaublichem Willen die nicht vollständig funktionierenden Muskeln koordiniert und wurde schließlich auf dem Karwendel begeistert empfangen.
Und das alles für sein Ziel: ‚So lange ich noch in der Lage bin, werde ich gehen, laufen oder klettern um das öffentliche Bewußtsein über Parkinson zu intensivieren und Mittel zur Erforschung beschaffen.‘
Mit dieser Einstellung ist er ein Hoffnungsträger und zeigt, daß mit enormem Willen trotz der Krankheit noch vieles erreichbar ist.
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